Frauenkopf "brasilianische Eiche" 1991

Donnerstag, 12. August 2010

Ford Zodiak


Der Wassereinbruch von der Erstaugustnacht im Kellerdepot unter der Waldau ist nun wieder behoben. Im Nachhinein hatte er auch sein Gutes. Er zwang mich, einmal den Inhalt einiger Schachteln etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Beim Sortieren des nur zum Teil nass gewordenen Materials stiess ich auf einige bemerkenswerte Bilder wie die Fotografie des Ford Zodiak mit Anhänger.

Das Auto ist vollbeladen mit Kunstwerken für eine Ausstellung von Johann Ulrich Steiger. Auf den Hintersitzen erkennt man die Rahmen von Ölbildern, auf dem Dachträger sind Podeste für Kleinskulpturen festgezurrt und -aus heutiger verkehrspolizeilicher Sicht- verwegen liegt eine monumentale Wurzelfigur auf dem Anhänger. Das undatierte Bild stammt vermutlich von Mitte der Sechziger Jahre. Der Ort lässt sich (noch) nicht genau bestimmen.

Mittwoch, 11. August 2010

Schwellbrunner Reminiszenz


Regelmässig fuhr J.U.Steiger mit fertigen Arbeiten im Auto von Flawil nach Schwellbrunn. Im Angebot der Möbelschreinerei von Robert Waldburger waren lange Zeit mit Schnitzereien aus seiner Werkstatt verzierte Möbelteile ein fester Bestandteil.

Die Fotographie fand ich an der Wand im Büro neben der Holzwerkstatt im Haus an der Degersheimerstrasse 2 in Flawil. Sie muss sehr lange da gehangen haben, die Farben sind schon ganz verschossen. Das Datum des Entwicklungslabors auf der Rückseite ist November 1972. Ich vermute, die Aufnahme stammt von J.U.Steiger selbst. Die Foto zeigt die einzigartige Lage des Hügeldorfes mit der Möbelschreinerei Waldburger im Vordergrund.

Sonntag, 8. August 2010

Die Flawiler Kunststube


In der Nacht vom 1.August 2010 ging über Flawil ein Gewitter mit aussergewöhnlichen Regenmengen nieder. Die Kanalisation schluckte die Wassermassen nicht mehr. Keller standen unter Wasser. So brach Wasser in den Raum unter der Fabrikliegenschaft Waldau. Hier im Gebäude der ehemaligen Weberei Habis mieteten wir für den künstlerischen Nachlass unseres Vaters ein Abteil. Zeitweise stand das Wasser fusstief in dieser Ecke der Unterkellerung. Wohlwissend, dass mit einem derartigen Ereignis zu rechnen ist, hatten wir alles auf Paletten gestellt.

Nicht ganz alles. Bei einem der letzten Transporte in das Kellerdepot pressierte es und einige Schachteln kamen deshalb direkt auf den Boden zu liegen und beim Ereignis in der Erst-August-Nacht in Kontakt mit dem Wasser. In einem Notfalleinsatz holten wir, Jasmin Siegrist, Ornella und ich, unverzüglich das nasse Archivmaterial zum Sortieren und wenn möglich auch zum wieder Trocknen herauf.

Die Bezeichnung "Archiv" trifft die Situation im Lager unter der Waldau eher schlecht. Das ganze Johann Ulrich Steiger-Nachlass-Material ist völlig ungeordnet. Mir ging es nach Vaters Tod erst mal nur um die Sicherstellung. Eine Auswertung und eigentliche Archivierung all dieser Briefe, Fotos, Zeitungsausschnitte, die mein Vater in unzähligen Schachteln, Albums und Ordnern abgelegt hatte, übersteigt meine Möglichkeiten bei weitem.

Beim Sortieren einer der nass gewordenen Schachteln, stiess ich auf das verloren geglaubte Foto der Belegschaft der Holzbildhauerei von 1945 vor dem heute nicht mehr existierenden Gebäude am Bärenplatz im Flawiler Dorfzentrum. Es handelte sich zwar um eine eher schlechte Kopie der zur Zeit unauffindbaren Aufnahme, aber da das Bild sehr aussagekräftig ist, freute mich der Fund ausserordentlich.

Links aussen mit den Händen im Hosensack: Der junge Chef. Beim dritten von rechts mit Bart erkenne ich Anton Weibel, den langjährigen Mitarbeiter in der Holzbildhauerabteilung von Joh.Ulrich Steigers Kunstwerkstatt.

Donnerstag, 5. August 2010

Das Holz-Blog

Manche Blogger sehen sich als die Avantgarde einer papierlosen Zukunft.
Sie pflegen einen verbissenen Hass auf die sogenannten Holzmedien. Dort machen diese Blogger ihre Gegner aus: Die grausamen "Bäumetöter" holzen ganze Wälder ab (die zwar wieder nachwachsen) für ihre Zeitungen und Zeitschriften aus Papier.

Holzbildhauer sind demnach Verwandte der Vertreter der Holzmedien. Auch sie töten Bäume, wenn man so will. Insofern müsste so ein Holzbildhauer-Blog aus der Sicht der oben geschilderten Sorte von Bloggern etwas widersinniges an sich haben: Umwelt schonendes, elektronisches Medium stellt sich in den Dienst des Bäume killenden Erzfeindes.

Aber keine Angst, beim Holzbildhauer-Blog handelt es sich nur um ein befristetes Projekt. Während der Ausstellungsdauer vom 28. August bis 3. September dient das Johann Ulrich Steiger Ausstellungs-Blog als Service-Leistung, danach wird es wieder eingestellt.

Sonntag, 1. August 2010

Eine Ausstellung zum Neunzigsten


Es war Pfingsten vor zwei Jahren. Eine Sturmfront hatte die Schweiz überquert. Die Welt war in ein seltsam klares Licht getaucht, als J.U.Steiger im WPH Flawil in seinem achtundachzigsten Lebensjahr an Nierenversagen starb. Er hegte noch Pläne. Eine Ausstellung wollte er nochmals einrichten, nochmals mit allem, was er in seinem langen Künstlerleben je produzierte, mit Skulpturen, Plastiken, Reliefs, Zeichnungen, Gemälde und Grafiken auffahren. Ähnlich umfangreich sollte es daher kommen wie im Jahr 2000, als er im Kreis der Dorfbewohner in der Flawiler Reithalle seinen Achzigsten feiern durfte.

Am 25. August 2010 hätte die Schau in der Glatthalde in Flawil ihre Tore öffnen sollen. Aber die von J.U.Steiger gewünschte Ausstellung ist ohne seine Präsenz nicht realisierbar. Dafür findet in Schwellbrunn an neunzehn verschiedenen Orten im Dorf eine grosse Präsentation ausschliesslich von Holzbildhauerarbeiten des begnadeten Holzschnitzers statt.

Zu Schwellbrunn besass der Künstler enge Beziehungen. Johann Ulrich Steiger kam gerne zu Besuch auf die Äscherwis, dem Zuhause der Familie eines seiner Söhne (dem Schreiber dieser Zeilen), zumindest solange der steile Weg zum Haus hinauf für ihn beschwerdefrei zu bewältigen war.